Frank Reichl und sein Sternstunden-Lauf 2020

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Ultra-Marathon-Läufer Frank Reichl wollte in der Vorweihnachtszeit ein Projekt starten, um bedürftigen Kindern zu helfen. Angedacht war ein Freundschafts- oder Nikolauslauf mit befreundeten Läufern, bei dem auch die Bevölkerung teilnehmen sollte. Der Corona Pandemie bedingt sollte dieses Vorhaben in dieser Form jedoch nicht möglich sein.

Frank Reichl wollte aber nicht klein beigeben und verfasste einen neuen Plan. Er läuft alleine, um Spenden zu sammeln. Im Verein Schützen-Hilfe e.V. fand er den richtigen Partner für sein Vorhaben.

Der Verein sammelt Geld, um es verschiedenen karitativen Einrichtungen, wie Kinderschutzbund, Herz für Rentner oder den Sternstunden und den Frauennotruf zu spenden.

Auf der Webseite des Vereins wurde ein sogenanntes Rundenkonto eingerichtet. Die Bevölkerung konnte Runden kaufen und Deggendorfs Sportler des Jahres 2019, Frank Reichl, würde diese erlaufen und damit das Spendenkonto füllen. Für jede Runde (ca. 420m), die er im Deggendorfer Stadtteil Mietraching läuft, werden zehn Euro für die Aktion Sternstunden des Bayerischen Rundfunks gespendet.

Am vergangenen Samstag war es dann soweit. Zum Start um 7 Uhr morgens erwarteten Frank Reichl Temperaturen um den Gefrierpunkt und eine kalte Prise Wind um die Nase.

Der Deggendorfer Sportler des Jahres 2019 hatte sich selbst zur Auflage gemacht, an diesem Tag 14 Stunden zu laufen. Auf eine Zahl zwischen 100-200 gespendete Runden hatten Frank Reichl und das Schützen-Hilfe-Team gehofft, damit hätte er die Distanz von zwei Marathons an einem Tag erlaufen müssen.

Mittlerweile hatte sich das Spendenkonto aber schon bis auf 373 Runden erhöht, eindeutig zu viel für einen einzigen Lauftag. Frank war gerührt von dieser Hilsbereitschaft und klärte uns kurz auf: 200 Runden traute er sich bis ca. 22 Uhr zu. „Die übrigen werde ich Morgen und unter der Woche nachholen. Auf alle Fälle werde ich alle Spendenrunden absolvieren, das verspreche ich“, so der sympathische Sportler.

Der Wettergott hatte ein Einsehen und schickte erste Sonnenstrahlen in Deggendorfs Ortsteil Mietraching. Frank Reichl lief dann Runde für Runde und immer wieder sind Freunde und Bekannte vorbeigekommen, um ihn zu unterstützen. Bemerkenswert und sehr zur Freude des gesamten Projekts steckten im Passanten, die zufällig vorbeischauten, weitere Spendengelder zu.

Nachdem Frank Reichl am besagten Samstag bereits magische 250 Runden und 105 km (2,5 Marathons) bis um 22 Uhr absolviert hatte und die gespendeten Runden sich mittlerweile auf 500 erhöht hatten, gab es von allen Seiten jede Menge Lob und Respektsbekundungen für den Ausnahmesportler.

Auch Deggendorfs Oberbürgermeister Dr. Christian Moser schaute kurz vorbei, um sich zu informieren und Frank bei dieser Gelegheit für sein Engagement zu danken. Auch Stadtrat Christian Kilger war vor Ort und hat zusammen mit der FFW Mietraching Frank unterstützt und der Schützenhilfe sein Lob ausgesprochen.

Staatsminister Bernd Sibler wurde zum Mitläufer

Ein zwischenzeitliches Highlight: die Unterstützung durch Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, Bernd Sibler, der es sich nicht nehmen ließ, selbst eine Runde mitzulaufen. Dieser war vom Projekt beeindruckt, lobte nicht nur den Läufer, sondern auch die Verantwortlichen der Schützen-Hilfe Reinhard Leberfing, Anita Haban, Andi Achatz und Johannes Brindl. Und diese konnten ihm sogar eine Zusage zu einem folgenden Spendenlauf abringen.

Frank Reichl lief dann Runde für Runde und immer wieder sind Freunde und Bekannte vorbeigekommen, um ihn zu unterstützen. Bemerkenswert und sehr zur Freude des gesamten Projekts steckten im Passanten, die zufällig vorbeischauten, weitere Spendengelder zu.

Der Ultrasportler drehte unterdessen weiterhin konsequent seine Runden, ohne irgendwelche Anzeichen von Erschöpfung oder dergleichen. Inzwischen hatte er die 100. Runde abgelaufen.  Nicht zu unterschätzen waren aber auch die 10 Höhenmeter, die er bei jeder Runde als kleinen Zuschlag obendrauf bekam. Bis zu diesem Zeitpunkt waren das bereits 1000 Höhenmeter. Sehr zur Freude aller machte das Spendenkonto dasselbe, es lief weiterhin mit nach oben. Über 400 gespendete Runden wurden angezeigt.

Auch Deggendorfs 3. Bürgermeisterin Renate Wasmeier kam, um Frank Reichl zu unterstützen. Sie ist ja selbst eine leidenschaftliche Läuferin und weiß daher, welchen Kraftakt er leistet. Sie erzählte uns: „Die gemeinsame Runde war mir eine große Ehre. Eine unglaubliche Leistung von Frank Reichl, 14 Stunden am Stück zu laufen, um Spenden für den Sternstundenlauf zu generieren.

Inzwischen wurde es dunkel in Mietraching. Der Deggendorfer Sportler ist aber immer noch in bester Verfassung. Spätestens jetzt war jedem klar – der zieht das wirklich 14 Stunden lang durch.

Foto: Renate Wasmeier

„Wenn ich’s nicht selbst erlebt hätte, ich würde es echt nicht glauben. Frank ist selbst zu später Abendstunde, nach diesen unzähligen Runden, immer noch gut gelaunt, freudig und voller Ideen, was man für die Bürger Gutes tun kann. Es ist eine wahre Freude zu sehen, was die Schützen-Hilfe und Frank Reichl auf die Beine stellen, um Mitmenschen zu helfen “, so eine begeisterte Renate Wasmeier.

Am frühen Abend sollte Frank Reichl nochmals weitere moralische Unterstützung erhalten. Die zweifache Olympiasiegerin und Weltmeisterin im Langlauf, Evi Sachenbacher-Stehle, schaltete sich per Videokonferenz dazu, um Schützenhilfe zu leisten.

Foto: Evi Sachenbacher-Stehle

Wir bekamen von ihr als Nachricht: Auch ich unterstütze den Sternstunden-Lauf gerne, weil ich selbst zwei kleine Kinder habe und es uns, im Gegensatz zu vielen anderen, an nichts fehlt. Es gibt viele Kinder und Familien, die schwere Schicksale erleiden mussten, die mit Krankheiten zu kämpfen haben oder denen es nicht gut geht. Deshalb ist es gerade jetzt in dieser schwierigen Zeit wichtig, zu helfen!“ so die zweifache Olympiasiegerin und Weltmeisterin im Skilanglauf. Ich finde es eine tolle Aktion von Frank Reichl, für Spenden seine Runden zu laufen und ich wünsche ihm viel Glück und Durchhaltevermögen!

Am Ende des Tages standen 250 Runden und 105 km auf der Ergebnistafel. Ein sichtlich zufriedener Frank Reichl konnte für diesen Tag die Laufschuhe beiseite stellen. Jedoch einer lief weiter, der Spendenzähler auf der Schützen-Hilfe-Seite. Die Unterstützung aus der Bevölkerung war gigantisch und so waren es knapp 500 Runden, die der Schützen-Hilfe bis hierhin gespendet wurden.

Auch am darauffolgenden Tag war der Sportler wieder in seinen Laufschuhen unterwegs und spulte mal schnell weitere 100 Runden ab. Welch fantastische Leistung! 3,5 Marathons in zwei Tagen.

Und Frank erfüllt sein Versprechen … er läuft und läuft und läuft und läuft …

Diese Unternehmen unterstützten Frank Reichl beim Lauf:

Familie Heubel: „Es ist unglaublich, was dieser Mann zu leisten im Stande ist. Wir haben ihn ja schon früher immer abends vorbeilaufen sehen. Aber eine solche Aktion für Kinder zu machen, verdient allerhöchsten Respekt. Wir haben im Geschäft noch eine Spendenbox aufgestellt und unsere Kunden sind uns gefolgt und haben fleißig mitgespendet. Chapeau Frank!“

“Wir sind begeistert von Frank’s Engagement und freuen uns, dass so viele Spendengelder bei diesem großartigen Projekt zusammengekommen sind. Wir ziehen den Hut vor seiner sportlichen sowie mentalen Leistung. Unglaublich, was Frank in den letzten Tagen geleistet und welches Durchhaltevermögen er trotz teilweise erschwerter Bedingungen gezeigt hat. Das verdient allerhöchsten Respekt”, übermitteln uns Elena und Dominik.

Wie er versprochen hatte, wollte der positiv verrückte Sportler die nächsten Tage nutzen, um das Rundenkonto abzulaufen. Das hieß für Frank, über eine ganze Woche lang im Laufmodus zu bleiben. Jeden Tag sah man ihn nach seiner geregelten Arbeit, Runde für Runde ablaufen.

Am Montag 33 Runden; Dienstag 38 Runden; Mittwoch 30 Runden; Donnerstag 33 Runden und am Freitag 51 Runden (185 Runden = 78 km).

Je länger die Woche dauerte, der Ein oder die Andere hatte schon Mitleid mit Frank. Er selber aber dachte nur an die Spenden für die Kinder. Das war sein Ziel und diesem ordnete er alles andere unter.

Frank bekam des öfteren Unterstützung in Form von Bekannten und Lauffreunden, die einfach mal einige Runden mitgelaufen sind.

Das finale Wochenende sollte folgen:

Der Samstag sollte identisch wie eine Woche zuvor sein. Kilometerfresser Frank lief und lief und lief …. im Blick die 700er Marke vom Rundenkonto der Schützen-Hilfe. 

Der Sonntag – Tag 9 des Sternstundenlaufs:

794 – das war die Zahl die am Sonntag morgen, nach über einer Woche Sternstundenlauf auf den Rundenkonto der Schützen-Hilfe angezeigt wurde.

„Mietraching 4 Grad leichter Regen schwere Beine? Nein … Frank hat keine schweren Beine, er schwebt seit den frühen Morgenstunden durch das schöne malerische Dorf Mietraching“. So informiert sein zum persönlichen Betreuer gewordener Andi Achatz von der Schützen-Hilfe die Bevölkerung.  „Es ist täglich schön mit welcher Lockerheit und Motivation er die Runden bewältigt …Klar ist und das ist authentisch und menschlich, dass Frank wie jeder andere Mensch spürt, dass er schon viele Runden in den Knochen hat. Umso mehr bewundere ich ihn dafür“, so Andi. 

Am Samstag und Sonntag konnte er zusammen gewaltige 248 Runden laufen. Das waren wieder sage und schreibe 104 km. Und er hätte an diesem Sonntag locker die 794 Runden geschafft und so den Spendenlauf beendet. Wäre da nicht das Rundenkonto, das unweigerlich in Richtung der magischen Zahl 1000 ging.

Das Rundenkonto schloss am Sonntag um 23:59 Uhr mit 1030 Runden.

Bei so manchem Spender, aber auch bei der Schützen-Hilfe hatten die Emotionen Überhand genommen – so freute man sich über das unglaubliche, nie erhoffte Ergebnis.

Reinhard Leberfing – der Gründer der Schützen-Hilfe: Ich möchte mich bei allen bedanken, die zu diesem großartigen Ergebnis beigetragen haben. Die Schützen-Hilfe ist überwältigt von diesem Zuspruch und der positiven Resonanz. Es ist schön zu sehen, wie in diesen Tagen in Mietraching alle ein bisschen enger zusammen gerückt sind.

Der Sternstunden-Lauf 2020

Die Zahlen:

14 Tage Laufen – 1030 Runden – 433 km

Macht zusammen über 10 Marathons.

„Ihr seid echt unglaublich! Vielen Dank euch allen für eure Unterstützung! Wie gesagt, 300 Runden war unser Ziel und mein Traum waren 500! Ihr habt es übertrumpft und einfach mal verdoppelt“, so ein freudiger Frank Reichl.

Sternstunden-Lauf; Schuetzen-Hilfe; Staatsminister Bernd Sibler; Läufer Frank Reichl


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