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Frank Reichl im Sportlerportrait

Heute stellen wir euch wieder einen Sportler vor, der nicht immer in der großen Öffentlichkeit steht, jedoch seit Jahren bewundernswerte, für so Manchen schier unmögliche sportliche Höchstleistungen vollbringt.

Deggendorfs Sportler des Jahres 2019 Frank Reichl

Sternstunden-Lauf; Schuetzen-Hilfe; Ultra-Marathon-Läufer Frank Reichl

Der aus Rheinland-Pfalz stammende Sportler hat in Niederbayern seit knapp sechs Jahren eine neue Heimat gefunden. Sein Hobby: Ultra-Marathon laufen. Während andere sich Abends nach der Arbeit auf die Couch verkrümeln, geht er noch kurz mal für 3 Stunden laufen. Die Natur genießend, läuft er schon mal als kurze Trainingseinheit von Bayerisch Eisenstein nach Deggendorf. Eine andere Trainingstrecke führt ihn von Mietraching nach Osterhofen und zurück.

In 19 Tagen 1320 km durch ganz Deutschland, von Sylt bis auf die Zugspitze. Das ist seine Herausforderung, aber auch seine Leidenschaft.

Deshalb ist es auch nicht verwunderlich wenn man beim Deggendorfer Laufverein nachfragt und als Antwort bekommt: Das Mitglied mit den meisten „Laufkilometern“ ist mit Sicherheit Frank Reichl, der den Laufsport auf ganz besondere Weise ausübt: Während für viele Freizeitläufer der klassische Marathon bereits einen gewaltigen Kraftakt bedeutet, ist Frank Reichl nach 40 Kilometern warmlaufen erst auf „Betriebstemperatur“.  Sind es beim normalen Marathon 42,195 Kilometer, so beträgt der Ultra-Marathon in der Regel mindestens 50 Kilometer. Es gibt aber auch weit größere Distanzen. 

Hier mal die reine Faktenlage:

Bis zu 4000 Trainingskilometer im Jahr, mehr als 200 Marathons, davon über 100 Ultra-Marathons hat er bisher erfolgreich gemeistert oder wie er sagt gefinished. Um nur ein paar zu nennen: Dreiburgenland-Marathon, Bestzeitmarathon Riemer Park in München, Köln Marathon, Neckarlauf, Chiemsee Ultra Marathon und mehrfach der Rodgau Ultramarathon.

Von Sylt bis auf die Zugspitze

In den Jahren 2017 und 2019 absolvierte er den Deutschlandlauf, bei dem in etwa 3 Wochen 1320 km zurückgelegt werden. Für ihn ein Highlight. 

Oder den Schwarzwaldlauf: Dieser Lauf führte die Ultraläufer als Etappenlauf mit fünf Tagesetappen (im Schnitt ca. 53 km, also mit gesamt 264 km) am Neckar entlang durch den Südschwarzwald. Dabei müssen „nebenbei“ noch etwa 6500 Höhenmeter überwunden werden.
Fünfzig Läufer aus ganz Deutschland stellten sich dieser sportlichen Herausforderung. Unter ihnen natürlich Frank Reichl.

Im August 2020 machte sich Frank auf den Weg zum 1. Neckarlauf. Dieser sollte ihn in sieben Tagen und 379 Kilometern entlang des Neckars ans  Ziel führen. Dabei mussten durchschnittlich pro Tag 54 km gelaufen werden. Nach besagten sieben Tagen schaffte es Frank Reichl mit 37 Stunden und 46 Minuten als Gesamtdritter mit 4 Minuten Rückstand auf den Zweiten auf das Podest.

Und auch zwei Marathonläufe an einem Tag kann er mühelos schaffen. Morgens beim Dreiburgenlauf in Thurmansbang, abends dann nochmal 42 km beim Bestzeitmarathon in München. 

100 mal Ultra-Marathon-

Frank Reichl hat mal für sich selbst zurückgeschaut.

„Der Kreis schließt sich. 2019 bin ich meinen hundertsten Ultramarathon (165ter Marathon gesamt) in Rodgau gelaufen und vor neun Jahren auch meinen Ersten. Es ist eigentlich gar nicht zu fassen, an wie vielen Läufen man schon teilgenommen hat und welch schöne, teils auch harte Erfahrungen man dabei gemacht hat. Nicht zu vergessen sind die vielen netten Bekanntschaften, die man während dieser Zeit machen durfte. So gibt es keinen Lauf, an den ich nicht gerne zurückdenke. So konnte ich 2019 mein 100 Jubiläum feiern“.

Das DEGSPORT Interview:

Hallo Frank, wie gefällt einem Rheinland-Pfälzer seine neuen Heimat Niederbayern?

Sehr gut, da ich in Deggendorf meine Heimat gefunden habe.

Als Ultramarathon-Mann wird man ja nicht geboren, welche Sportarten interessierten dich in deiner Kindheit und Jugendzeit?Natürlich Fußball, als Spieler aber auch später als Schiedsrichter.

Wie bist du dann zum Laufen gekommen?

Das hat sich so entwickelt, im Fußballtraining läuft man ja auch, aber durch die Bundeswehr habe ich Spaß daran gefunden und es immer weiter ausgebaut.

Die meisten Hobbysportler laufen so zwischen 5-10 km um sich fit zu halten, wie schaut dein Trainingsprogamm aus?

Ich laufe je nach Zeit und Lust 10 – 60km im normalen Training. Ich denke die Dreiviertelstunde geht mindestens. Da man die Zeit hat, denke ich.

Mit laufen alleine wird es aber nicht getan sein, um solche Strecken zu meistern?

Ja das stimmt, hier spielt der Kopf bzw. die Einstellung eine wichtige Rolle.

Was die meisten unserer Leser bestimmt interessiert, hast auch du einen inneren Schweinehund oder die berühmten Engel und Teufel auf deiner Schulter sitzen?

Den hat denke ich mal jeder, aber da es mir einfach Spaß macht ist es bei mir nicht so schwierig.

Wo nimmt man diese Motivation her?

Einfach Freude und Spaß an der Sache! ?

Kannst du dich noch an deinen ersten Marathon erinnern?

Ja kann ich gut, es war 2009 in München beim München Marathon. Mein erster in der Landeshauptstadt meiner neuen Heimat, zufälligerweise war der 100te in Mainz in der Landeshauptstadt meiner alten Heimat. Aber der erste, war definitiv der einfachste!

Wie ging es danach weiter?

Erstmal habe ich mich natürlich erhohlt, und dann kam recht schnell Ende Januar der 50 km Lauf in Rodgau.

Wer den klassischen Marathon ampitioniert läuft, kommt nicht umhin seine persönlichen Bestzeiten zu unterbieten. Ist dir dieses auch passiert?

Ja klar, aber ich denke es ist auch normal, da man sich verbessern will unabhängig von der Streckenlänge.

Wer oder was brachte dich dann auf die Idee Ultramarathon zu laufen?

Das hat sich einfach so ergeben.

Beim Ultramarathon hat man ja jeden Menge Zeit für seine persönliche Selbstfindung. Was hast du dabei für dich oder auch über dich selbst erfahren?

Das kann ich gar nicht so genau beantworten. Aber ich glaube man ist generell zufriedener und ruhiger.

Kannst du dich an ein ganz besonderes Erlebnis während eines Laufes erinnern?

Hmm, gute Frage. Ich glaube das Beste war die Zielankunft auf der Zugspitze beim Deutschlandlauf 2017. Nachdem es mir zwischendurch wirklich nicht gut ging und es aber nach 19 Tagen trotzdem geschafft habe!

Kannst du uns etwas über deine Ernährung erzählen?

Ich ernähre mich ganz normal, es soll ja auch Spaß machen ?

Sagt dir der Name Dean Karnazes etwas?

Ja wer kennt ihn nicht… (Anm.der Red. Dean Karnazes ist ein US-amerikanischer Ultramarathonläufer und Extremsportler, der auch als Buchautor bekannt geworden ist. Er lief den Ultramarathon mit 350 Meilen (ca. 563 km) in über 80 Stunden ohne Schlaf.)

Welche Tipps kannst du Freizeitläufern mit auf den Weg geben?

Einfach ihr eigenes Tempo laufen und Spaß dabei haben.

Welche sportliche Herausforderungen möchtest du in Zukunft noch meistern?

Erstmal den Deutschlandlauf nächstes Jahr. Und ein ganz großer Traum wäre der Transe Europa Lauf.

Bericht und Interview: Harry Rindler

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