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Der Gipfelsammler auf Europas Grünem Dach

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Herbert Wolf hat bereits 109 Bergspitzen des Bayer- und Böhmerwaldes erklommen

Es ist eine Sucht geworden. Die Sucht nach den Gipfeln des Bayer- und des Böhmerwaldes, die Herbert Wolf aus Mariaposching wie magisch immer wieder aus der Donauebene auf die Höhen von Europas Grünem Dach ziehen. Auf 109 Bergen und Höhenrücken war er schon. Alle sind über 1.000 Meter hoch und jeder für sich von grandioser Schönheit, wie Wolf schwärmt. Sicherlich hat er damit einen einsamen Rekord erwandert. Aber darauf legt der gebürtige Mettener keinen Wert. Eine Schatzkarte weist ihm den Weg auch in Corona-Zeiten.

Wolf‘s Sucht und Leidenschaft ist gerade jetzt ein letztes großes Abenteuer. Bis vor sieben Jahren war der 45-jährige Diplomkaufmann Herbert Wolf ein ganz normaler Spaziergänger und nur für kleine Spritztouren zu haben. Konditionell hätte der begeisterte Handballer, als Torwart, Trainer und Vizepräsident bei der SSG Metten physisch und mental gut gefordert, weitaus höher gesteckte Ziele locker gepackt. Ende Februar 2014 kam es dann bei einer Wanderung auf den 1.011 Meter hohen Brotjacklriegel auf einmal über ihn.

Ich will in meiner Heimat alle Berge über 1.000 Meter erwandern, “ setzte er sich justament in den Kopf und meinte, dass es mehr als 30 doch nicht sein könnten. Eine Fehleinschätzung, wie sich herausstellen sollte.

Heute weiß Wolf, dass es im Bayerischen und im Böhmerwald mindestens 200 Gipfel mit über 1.000 Meter Höhe gibt. Seit der Erweckung am Brotjacklriegel nutzt der 45-jährige fast jede freie Minute, um in seine Bergwelt einzutauchen – bei Wind und Wetter und immer allein.

Verzauberter Wald: Um die schöne Wildheit der Bayerwald-Natur in vollen Zügen genießen zu können, ist Herbert Wolf grundsätzlich allein unterwegs. So konnte er in Ruhe den Zauber des Kaitersbergs bei Bad Kötzting entdecken.
Für solch märchenhafte Flußlandschaften muss man nicht in ferne Länder reisen, sagte sich der Mariaposchinger, als er diesen Abschnitt des Schwarzen Regen bei Regenhütte nahe Bayerisch Eisenstein für sich entdeckte.

Die Ruhe in den einsamen Wäldern und Gipfelregionen tue ihm gut: „Ich schalte vollkommen ab. Der Blinkwinkel auf Dinge des Alltags ändert sich und ich kann ganz anders darüber nachdenken.“ Der passionierte Fotograf nimmt sich bei seinen ausgedehnten Tourenauch viel Zeit für die Motivsuche. Manches würde er vielleicht übersehen, wenn man zu mehreren unterwegs wäre; etwa die wilden Tiere des Waldes wie jenen Uhu, der ihn fast eine halbe Minute lang aus nächster Nähe begutachtet habe, bevor er lautlos und majestätisch davongeflogen sei. Wolf, der im kaufmännischen Bereich seiner Deggendorfer Firma Berge von Zahlen erklimmt, hatte seine Wanderungen von Anfang an genau geplant.

Künftigen Gipfelstürmern rät er, mit einer kürzeren, gut ausgeschilderten Tour zu beginnen. Man müsse lernen, die Entfernungen, Höhenmeter und insbesondere die eigenen Kräfte gut zu kalkulieren. „Niemand darf die Bergwelt im Bayer- und im Böhmerwald und noch weniger in den nicht so besiedelten Nationalparken diesseits und jenseits der Grenze unterschätzen.“ Gute Wanderkarten und Internetrecherche als Ergänzung seien ebenso wichtig wie Tips von anderen Wanderern und offiziellen Stellen. Nach einer ersten Übungsphase ging es für Herbert Wolf abseits der Wege hinein ins Ungewisse, dorthin, wo Einzigartigkeit und Abenteuer zu finden sind. Der Gipfelstürmer aus Mariaposching gibt allerdings zu bedenken, dass manche Gebiete aus Natur- und Tierschutzgründen nur zu bestimmten Zeiten und nur auf den offiziellen Wanderwegen zu entdecken seien. „Du musst dich eben immer mit Respekt vor der Natur und den Tieren bewegen. Hier sind wir Menschen nur Gast.“

Wolf’s Welt: hoch über dem Zivilisationsstreß ist der 45jährige kaufmännische Angestellte auf Tour. Diesen Blick vom Großen Osser (1233 Meter) knapp an der Grenze zu Tschechien kann er jedem empfehlen, der in den Bann des Waldgebirgesgezogen werden will.
Das andere Bild von Natur: Gipfelsammler Herbert Wolf zieht es gerne zum 1373 Meter hohen Lusen im Kreis Freyung-Grafenau,weil dort im Nationalpark die neue, alte Natur entsteht.
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Das beschauliche Gipfelsammeln hat er, illustriert mit seinen eindrucksvollen Fotografien, zu Papier und als Serie in einer regionalen Zeitschrift unter die Leute gebracht. Noch fehlt ein umfassender Wanderführer über das Waldgebirge diesseits und jenseits der Grenze. Wolf macht sich darüber bereits Gedanken. Die Statistik ist bei ihm als studiertem Betriebswirtschaftler auch nicht zu kurz gekommen.

Danach ist Wolf bis jetzt auf über 60 Touren mit einer Länge von annähernd 1.000 Kilometern gekommen. Gut 29.500 bewältigte Höhenmeter stehen außerdem zu Buche. Hinter dem Zahlenwerk aber hat sich für Herbert Wolf ein Parallel-Kosmos aufgetan: Großartige Ausblicke auf die Gipfel und Höhen bei allen Wetterlagen, die Farbenpracht einer verschwenderischen Pflanzenvielfalt am Wegesrand oder eine bis dahin nie gekannte Tierwelt.

Abseits der Hauptwege hat er die unterschiedlichsten Menschen getroffen, stets freundlich und, wie er sagt, „immerzu inspirierenden Gesprächen bereit, die mich zu neuen Taten anregten.“ Seine Gipfelwege will der 45-jährige nicht mehr missen. Je öfter er unterwegs sei und in die Landschaft und die Geschichte(n) dahinter eintauche, desto mehr fühle er sich damit verbunden. Es gebe so vieles vor der Haustüre, was andere in fernen Ländern suchten. Er würde dabei nicht einmal die gegenwärtige Regelung mit dem 15-Kilometer-Corona-Radius verletzen, um hinauf ins Waldparadies zu kommen. Und dann sagt Herbert Wolf noch: „Ich schätze meine Heimat heute immer mehr,“ und wandert für die nächste Tour mit dem Finger über seine „Schatzkarte“, wie er den großen Spezialplan des Waldgebirges nennt.

Alle Foto: Herbert Wolf privat

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